Das erste Projekt

Start im Garten

Im Frühjahr 2006 - fünf Jahre nach dem Kauf der Startpackung - juckte es in den Fingern - die Bahn muss vor die Tür!

Nach kurzer Überlegung stand die Wunschstreckenführung auch gleich fest: Einmal rund um den Teich. Vielleicht später ein paar Abzweigstrecken dazu. Aber einmal rundherum muss sein. Und weil die Startpackung ja schon ein Parallelgleis mit den notwendigen Weichen hatte und zwei Züge aufgestellt werden sollen musste die Ausweichstrecke auch gleich eingeplant werden.

Erleichtert wurde die Sache dadurch, dass etwa um die Hälfte des Teichs ein Holzweg führt, der professionell gebaut ist und daher eben. Hierauf kann die Strecke ohne großen Aufwand direkt aufgelegt werden.

Im Startset waren ja auch schon eine ganze Menge Gleismaterial enthalten. Kurven wurden keine mehr gebraucht - der Vollkreis war ja schon vorhanden - also mussten noch ein paar Geraden und eine Brücke über den Bachlauf her - das wird wunderschön.

Die erste Erfahrung dabei: Gleisplanung gibt es bei Innenanlagen - draußen kann man das ganz vergessen. Hier ein Brocken, dort ein Strauch der im Wege steht. Also die Trasse ausgelegt und passend gemacht. Überschüssiges Material kommt dann un Ausbaustufe 2 unter. Irgendwann.

Die erste Anlage

Also wurde der Kreis mit Passiergleis ausgelegt. Auf dem Holzweg war die Trassenführung kein Problem - das heißt: fast! Der Holzweg hat eine Biegung, die perfekt um den Kreis herumführt. Aber im falschen Radius! Abhilfe: Auf zum Modell & Technik Händler meines Vertrauens und Radius 5 Kurven geholt. Jetzt klappts auch mit dem Nachbarn respektive Holzweg. Diese Halbkreis war also schnell verlegt - bleibt die zweite Hälfte des Kreises durch die Botanik.

Sicher, man hätte sich früher mit dem Problem auseinander setzten können. Jetzt war es unweigerlich, sich dem Unterbau zu widmen. Märklin Spur 1 ist keine LGB. Das ist Glück und Fluch zugleich. Spur 1 ist kein Spielzeug, sondern echtes Modell. Wer Modellbau liebt kann LGB eigentlich nicht mögen. Aber Märklin Spur 1 Modelle sind zum großen Teil - Loks fast vollständig - aus Metall. LGB dagegen aus Plastik. Und Metall bringt ordentlich Gewicht auf die Schiene. Und Gewicht muss abgefangen werden. Durch einen stabilen Unterbau.

Der erste Gedanke, einfach etwas Erde aufzuschütten und die Gleise draufzulegen fiel also sofort wieder flach. Doch was statt dessen? Also ran an die Fachliteratur. Allenthalben empfohlen wurde ein Unterbau aus Beton. Ein Blick in die Werkstatt - hier ist noch ein halber Sack! Also ran an die Mutti und rein mit den Beton in den Garten. Angerührt und zu mehr oder weniger ordentlichen Haufen aufgeschichtet war das Ergebnis ernüchternd. Ein Unterbau sieht anders aus. Die diletantische Bauweise hatte gravierende Fehler. Die Oberfläche war nicht eben und schon gar nicht waagerecht, es gab "Höhen und Tiefen", Buckel die die Wagen entkoppeln ließen. So gings also nicht. Dass das ganze auch nicht wirklich wetterfest war zeigte sich später auch noch. Weitere Erkenntnis also: Einfach schnell irgenwie hingeklekst geht in die Hose.

Neuer Anlauf mit neuem Unterbau

Es war also klar: Ein solider Unterbau muss her. Aber wie? In der engeren Auswahl standen verschiedene Methoden:

Klassischer Betonunterbau: Der Betonunterbau ist der mit Abstand solideste und wetterfesteste Unterbau überhaupt. Richtig aufgebaut, in eine Grube ausgelegt mit Vlies, aufgefüllt mit Splitt und Sand und 80cm Beton ist der Unterbau nicht nur stabil genüg für dutzende Spur 1 Züge, sondern auch absolut wetterfest. Ein Betonunterbau erfordert aber viel Aufwand: für die Trasse muss ein etwa 80cm tiefer Graben gebudelt werden, was sicherlich den tragischen Verlust von Teichfolie und Botanik sowie einen umgehenden Herzinfarkt des Garteneigentümers und Mordanschlag auf den Gleisbauer mit sich bringen würde. Abgesehen davon sah ich mich handwerklich nicht in der Lage, einen ordentlichen Betonunterbau aufzubauen - eine runde Schalung in den Kurven war unmöglich umzusetzen.

Trassenbau auf Holzplanken und Spießen: Eine sehr sympatische Möglichkeit war der Trassenbau auf wetterbeständigen Holzplanken, zum Beispiel Bankirai, die auf ebensolchen Erdspießen er- und ausgerichtet würde. Die Planken würden auf langer Strecke Wellen und Buckel ausschließen und wären relativ einfach und schnell zu verlegen. Aber wieder brachten die Kurvhen das Projekt zu Scheitern: Nach einem Probekauf einer Blanke aus dem Baumarkt stellte ich fest, dass der Kurvenbau mit Hartholz meine Fähigkeiten leider massiv übersteigen würde.

Trassenbau auf Gartenwegsteinen/Pflastersteinen: Diese Methode wurde schließlich umgesetzt.

Die Trasse auf Pflastersteinen

Der Trassenbau mit Pflastersteinen ist an sich sehr einfach und erfordert weniger handwerkliches Geschick. Auf einen vorbereiteten Untergrund werden Pflastersteine aus dem Baumarkt aneinandergesetzt. Die in den Kurven entstehenden Fugen sind für die Bertriebssicherheit nicht gefährlich. Der Höhenausgleich ist vergleichsweise einfach und das Material verrottet nicht. Ausreichend gewichtsresistent ist das Material auch. Im "Bahnhofsbereich", dem Parallelgleis, wurde ein langer Rasenrandstein quer gelegt als Auflage für beide Gleise - er war auch gleich der Bahnsteig.

Auf dieser Trasse fuhr die Bahn durchaus ansehnlich. Leider nicht sehr lange.

Nicht bedacht hatte ich beim Aufbau, dass die ganze Konstruktion auch irgendwie dauerhaft verbunden seinn sollte, um der Natur und anderen Einflüssen zu trotzen. Ich hätte vielleicht die Steine auch nicht direkt auf Erde verlegen sollen. Jedenfalls kam der Verfall schon während des Sommers.

- Die Natur wucherte schneller als die Schere freischneiden konnte
- die Trasse war auf bestehende Wurzeln aufgesetzt - es ist unglaublich welche Kaft wachsende Pflanzen entwicklen konnten.
- Ohne einen geeigneten Unterbau unterspülte Wasser den Untergrund zum Teil. Zwar brach nicht der ganze "Damm" zusammen, jedoch bildeten sich Dellen und Buckel, als einzelne Steine leicht nachgaben.
- Im Garten arbeitende Menschen schienen wenig Respekt von der Verwundbarkeit einer steinernen Trasse zu haben. Jedenfalls hat ein unvorsichtiger Tritt sehr unschöne Auswirkungen auf eine unzureichend befestigte Bahntrasse
- Das Schienenmaterial hatte mit der Zeit eine "ausbaufähige" Stromführung und verblich sehr schnell. Wie ich erfuhr, waren Märklin Gleise definitiv nicht wetterfest.

Die traurigen Überreste wurden im folgenden Frühjahr beseitigt. Damit erging es meiner Gartenbahn wie vielen Bahnstrecken in den 70er Jahren: sie wurden zurückgebaut und verschwanden.

  • Erste Überlegungen Erste Überlegungen
  • Jetzt aber richtig Jetzt aber richtig
  • Erste Erfolge Erste Erfolge
  • Die fertige Gartenbahn Die fertige Gartenbahn