Jetzt aber richtig

Der Neuanfang

Im Frühjar 2012 erfolgte dann der - hoffentlich vorerst letzte - Anlauf die Gartenbahn zu realisieren. Das neue Projekt sollte nun soldide geplant und umgesetzt werden. Dabei galt es die folgenden Rahmenbedingungen zu berücksichtigen:

  • absolut wetterfestes Material, die Bahn soll bei Bedarf auf im Garten überwintern können

  • Gleise geeignet für Spur 1 und LGB, geeignet für Wechselstrom und Gleichstrom sowie digital

  • Verwendung des Mindestradius für Märklin Spur 1 (1020mm) auf der gesamten Anlage

  • widerstandsfähiger, solider Unterbau - "Gärtner- und Wetterfest"

  • auch auf Dauer absolut sicherer Fahrbetrieb

  • Rundkurs um den Gartenteich, ein Ausweichgleis für zwei Züge auf der Bahn

  • Herstellung weitestgehend mit Bordmitteln, das heißt mit vorrätigen Materialien und Werkzeugen

  • Bau auch für Handwerkslegasteniker geeignet

Die Gleiswahl

Nach den ernüchternden Erfahrungen mit Märklin Gleisen im Freien und wegen der Anforderung, dass sowohl Spur 1 als auch Spur G (LGB) fahren sollen kam faktisch nur LGB Material in Betracht. Gleise, Weichen und Antriebe sind wetterfest und lichtecht. Zwar sind die Profile viel zu hoch, um die fetten Spurkränze zu tragen, aber das fällt im Garten nicht wirklich ins Gewicht. Damit war die Wahl des Herstellers der Gleise recht schnell getroffen.

Die Wahl des Unterbaus

Der zu bauende Unterbau stellte die mit die mit Abstand größe Herausforderung dar. Er sollte 100% witterungsbeständig sein, handwerklich geringe Anforderungen stellen und robost sein. Dabei muss die Oberfläche soweit eben sein, dass weder Buckel noch Schwellen oder Dellen vorhanden sind. Die gesamte Bahn muss zudem waagerecht ausnivelliert sein, um Steigungen und Gefälle nach Möglichkeit zu vermeiden.

Wie schon beim ersten Projekt nutzte ich wieder den Holzbohlenweg. Die Hälfte des Unterbaus war damit schon fertig, bevor ich angefangen hatte. Wie aber nun den Rest gestalten? Nach den Erfahrungen mit Holzbohlenständerwerk und Rasenpflastersteinen, die beide keine Aussicht auf dauerhaften Erfolg versprachen, kam nur Beton in Frage. Hierzu führte ich einige interessante Gespräche, mit jedem Gespräch sank die Erfolgsaussicht rapide ab. Zwei Faktoren brachten schließlich die klassiche Betontrasse zu Fall: der notwendige Unterbau und die Schalung.

Um wetterfest zu sein muss eine gegossene Betontrasse auf einer Bettung aus Vlies oder Teichfolie (gegen Durchwuchs), Kies und Sand liegen. Direkte Erdberührung würde auf Dauer nicht funktionieren. Das bedeutet aber, einen Graben von bis zu 80cm Tiefe aufzuheben. Abgesehen davon, dass damit eine nennenswerte Anzahl Pflanzen ihrer Wurzeln beraubt würden, würde die rund um den Teich liegende Teichfolie dem Ansinnen, in die Tiefe zu gehen, recht schnell ein Ende bereiten. Hinzu kam die Problematik der Schalung. In der Geraden ist eine Schalung nicht wirklich ein Problem, aber doch vergleichsweise enge Kurven sauber zu schalen traute ich mir wirlich nicht mehr zu.

Im Gespräch, welches Material man für eine gebodene Schalung nutzen könnte, das nicht nur zu biegen war sondern auch gerade und stabil, um die Trasse darauf abzuziehen, kam schließlich per Zufall die Lösung: Biegbare Profile aus dem Trockenbau aus dem Restelager! Diese Profile werden verwendet, um gerundete Wände im Trockenbau herzustellen. Und im Restelager lagen noch genügen Abfälle herum, um damit den Teich gleich mehrfach zu umrunden. Mit den Profilen wurden gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen:

  • die Profile sind nachdem die konstruktiv notwendigen Löcher bedeckt sind (hierfür verwende ich Abfälle von Gewebe aus der Fassadendämmung) fix und fertig zum Füllen mit Beton

  • die Abmessungen in Höhe und Breite ergeben eine Masse, die Tritt- und wetterfest ist, ohne allzu mächtig zu sein

  • die Trasse kann durch die Profile aufgeständert werden, ohne Erdberührung zu haben

  • die Profile sind so weit biegbar, dass der erforderliche Kurvenradius problemlos darstellbar ist

  • die Profile haben an den Seiten zwar kein durchgehend glattes Profil, die Oberkante ist jedoch auf für Laien dennoch zum "abziehen" geeignet, um eine ausreichent ebene und gerade Oberfläche zu erhalten

  • da das Material (Profile und Gewebe) aus dem Abfall stammen war die Trasse auch ausgesprochen günstig.

Der Unterbau des Unterbaus

Die Frage der Trasse war damit geklärt, nicht jedoch die Frage, wie sie ausgelegt werden soll. Die Profile direkt auf Erde zu betten war keine gute Idee. Dazu sind die Profile nicht ausreichend eigenstabil, um im Bau stellenweise nachgebende Erde auszugleichen. Ich entschied mich daher dazu, die Trasse "aufzuständern" und damit gleichzeitig direkten Erdkontakt zumindest vor dem Verfüllen zu vermeiden. Selbstverständlich sollten die Ständer 100% witterungsresistent sein, daher schied Erde oder Holz aus. Auch muss der Unterbau einiges an Gewicht tragen. Ich entschied mich daher zu "T-Stücken" aus Metall. Hier sollte auf einer Metallplatte ein Metallspieß senkrecht aufgeschweißt sein. der Spieß wird in die Erde gerammt und trägt über die Auflageplatte das Profil.

Die T-Stücke wiederum fand ich auf einer Suche im Baumarkt. Hier habe ich Metallträger missbraucht, die normalerweise zum Aufstellen von Zäunen und Sichtwänden verwendet werden. Die Spieße waren zwar nicht so lang wie ich mir das vorgestellt hatte, aber gerade noch ausreichen. Leider gab es keine T-Stücke, sondern nur Teile bei denen die Auflageplatte in U- oder L-Form hergestellt war. Ich entschied mich also für einige Handvoll Träger mit L-Form und flexte daen ach oben zeigenden Schenkel einfach weg. Fertig waren die T-Träger.

Die verwendeten Materialien

Die verwendeten Materialien

Oben Trockenbauprofil - links Gewebe - unter T-Träger mit abgeflexten L-Schenkeln, Zierschotter für später

Der Trassenbau

Der Bau der Trasse selbst war recht einfach und zügig, lediglich unterbrochen von Trocknungsphasen und schlechtem Wetter.

Zunächst wird der Gleisverlauf durch die Schienen in der Landschaft ausgelegt und mittels Schaschlikspießchen und Schnur abgesteckt. Danach werden die ersten T-Träger in die Erde gerammt und grob ausgerichtet. Dann wird das Profil in Form gebogen und auf lose auf die T-Tücke aufgelegt. Jetzt ist es an der Zeit, die Träger auszurichten, wobei die Profiloberkante am Übergang zum Holzboden die Höhe vorgibt. Beginnend am ersten Träger am Holzboden wird nun Träger für Träger horizontal mit der Wasserwaage ausgerichtet und der Verlauf des aufgelegten Profils mittels Wasserwaage überprüft. Nach einer nochmaligen Kontrolle des Gleisverlaufs werden nun Profile und Träger verbunden. Da Verschraubungen oder sogar Verschweißen viel zu aufwändig waren griff ich wieder in der Restekiste des Trockenbaus zurück: Powerkleber. Dieser Kleber wird wie Silikon verarbeitet und kommt auch in den gleichen Tuben. Er ist flexibel und hält bombenfest. Damit habe ich also nun die T-Stücke und das Profil miteinander verklebt. Wo die Trasse zu hoch über den Boden lagen und die Trägerstützen zu kurz in die Erde ragen würden, um stabil zu sein, habe ich zwischen Träger und Profil stabile "Füllungen" eingebracht: Die abgeflexten L-Stücke der Träger oder auch wo es ganz tief runter ging einen Pflasterstein. So war die Bahn relativ fix im Rohbau fertig. Die Löcher des Profils noch mit Gewebe abgedeckt damit der Beton nicht herausläuft - und fertig war die Trasse zum Betonieren. Hierzu habe ich alles an Beton genommen, was noch an Resten herumlag - insgesamt drei verschiedene Betonsorten. Alle haben gleichermaßen ihren Dienst erwiesen. Zusätzlich zur Füllung der Trasse habe ich auch noch Beton unter der Trasse verfüllt, um mehr Stalilität zu erreichen. Dabei habe ich aber immer Lücken gelassen, damit Wasser versichern kann. Das Betonieren stellte selbst an mich keine unlösbare Anforderungen.

Nach dem Betonieren müssen nur noch die Gleise aufgelegt werden - bereit ist die Anlage zum ersten Probelauf.

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