Einheitslandungsboot - Nachschubleichter 1:100

Das Vorbild

Das Einheitslandungsboot wurde als Nachfolger der Marinefährpräme und der Siebel-Fähren konzipiert. Kriegsbedingt kam keines der Boote mehr zum Einsatz.

Im Jahr 1943 machte der zunehmende Mangel an Rohstoffen und Arbeitskräften einschneidende Rationalisierungsmassnahmen beim Bau von Landungsfahrzeugen erforderlich, um weiterhin eine als ausreichend angesehene Zahl von Booten ausliefern zu können. Daher forderte der für den Bau von Kriegsschiffen zuständige „Hauptausschuss Schiffbau“ die Beschränkung auf einen einzigen Landungsbootstyp mit folgenden Eigenschaften:

  • Bahnverladefähigkeit aller schwimmfähigen Schiffsteile

  • Zusammenbaumöglichkeit ohne Werfthilfe im Wasser oder an Land

  • Herstellung aller Schiffsteile bei Stahlbaufirmen

Obwohl nach Ansicht der „Schiffbaukommission“, die für die Typenauswahl bzw. die Konstruktion neuer Fahrzeuge verantwortlich war, der bereits vorhandene MAL und auch die Siebelfähre diese Forderungen erfüllt hätten, wollte die Kriegsmarine nicht auf den bewährten MFP verzichten, während das Heer und die Luftwaffe die Siebelfähre bevorzugten. Man entschloss sich daher zu einer Neukonstruktion, wofür die einzelnen Wehrmachtsteile folgende Forderungen erhoben:

Kriegsmarine

Heer und Luftwaffe

• Seefähigkeit bis Seegang 5
• Geschwindigkeit 10 kn
• Aufstellung eines Seezielgeschützes
• ausreichende Flakbewaffnung
• Einbau einer Landeklappe
• gedeckter, großer Laderaum mit ausreichender Stehhöhe zum Transport von Mannschaften
• geringer Tiefgang zum Anlanden an flacher Küste
• ausreichende wasserdichte Unterteilung und Innenboden
• Möglichkeit zum Transport und zum Werfen von Minen
• Möglichkeit zum Umbau in einen Artillerieträger
• Einbau umsteuerbarer Motoren

• Seefähigkeit bis Seegang 5
• Geschwindigkeit 10 kn
• ausreichende Flakbewaffnung
• Einbau einer Landeklappe
• große, quadratische Ladeplattform mit nach oben uneingeschränkter Lademöglichkeit für Fahrzeuge aller Art, einschließlich Panzerkampfwagen und schweren Feldhaubitzen
• ausreichende Platzverhältnisse auf der Ladeplattform, um drei Lastkraftwagen nebeneinander unterbringen zu können
• Möglichkeit zur Be- und Entladung quer zum Schiff

Vor allem die unterschiedlichen Erfordernisse betreffend der Lademöglichkeiten und -verhältnisse führten zu einer Kompromisslösung, die von der „Schiffbaukommission“, der Firma Krupp Stahlbau und dem Ingenieursbüro „Rhein“ als Gemeinschaftsprojekt entwickelt wurde. Demnach sollte das EL hauptsächlich als Nachschublandeboot (NL) gebaut werden. Zusätzlich war noch ein Artillerielandeboot (AL) als Ersatz für die bisherigen Artilleriefährprähme (AF) der Kriegsmarine vorgesehen.

Mit dem NL entstand ein Fahrzeug, das als Schiffsklasse zwischen dem MAL und dem MNL stand, ohne allerdings die Laderaumabmessungen eines MFP und die Größe der Ladeplattform einer Siebelfähre zu erreichen. Das neue Landungsboot hatte zudem einen größeren Tiefgang als der MFP.

Das NL bestand aus 12, auf Eisenbahnwaggons verladbaren Sektionen, wovon elf schwimmfähige Pontons den Rumpf bildeten und die zwölfte Sektion das Deckhaus darstellte.

Die Rumpfteile wurden beim Zusammenbau zunächst durch simple Bolzenkupplungen miteinander verbunden. Anschließend erhöhte man die Festigkeit des Schiffskörpers durch zusätzliche Verbindungslaschen und Zugbolzen, um die geforderte gute Seefähigkeit zu erreichen. Diese Vorgehensweise gewährleistete zwar die gewünschte Festigkeit, bedingte aber eine genaue und damit zeitraubende und teure Schablonenarbeit, sowie einen aufwendigeren Zusammenbau des Schiffskörpers. Die Wasserdichtigkeit des Rumpfes im Seegang blieb dennoch problematisch.

Zum Bau eines Bootes rechnete man mit einem Aufwand von 42.500 Arbeitsstunden und einem Eisenbedarf von 186,5 t. An Holz kalkulierte man mit einem Bedarf von 65,0 m³ pro Boot. Als Antrieb waren ursprünglich zwei direkt umsteuerbare Dieselmotore von je 450 PS Leistung vorgesehen, die auf zwei Wellen wirken sollten. Da aber bald abzusehen war, dass diese Maschinen nicht rechtzeitig lieferbar sein würden, wurden vier Motore jenes bewährten Typs vorgesehen, der bereits auf den MFP´s, MAL´s und MNL´s Verwendung fand. Zwangsläufig ergab sich damit eine Vier-Wellen-Anlage und die Maschinen mussten, jeweils zu zweit, aus Platzgründen versetzt in den beiden Motorenräumen aufgestellt werden. Bei einer maximalen Tragfähigkeit von 120 t konnte ein NL über See 80 t Ladung transportieren oder alternativ mit Minenschienen als Minenleger Verwendung finden.

Die Fahrbahn auf dem Oberdeck war so verstärkt, dass zwei Panzerkampfwagen „Tiger“ oder schwere Feldhaubitzen mit einem Raddruck von 5,5 t aufgenommen werden konnten. Zum schnellen Be-und Entladen der Ladeplattform diente eine neu konstruierte, zweiteilige Landeklappe. Die beiden Laderäume wurden über zwei Luken be- und entladen. Dazu standen zwei Ladepfosten mit je einem 2 t – Ladebaum zur Verfügung, die wahlweise an der Backbord- oder Steuerbordseite aufgestellt werden konnten. Steuerstand und Brücke waren durch 25 mm starke St60 – Stahlplatten geschützt.

Am 06.03.1944 erging der Bauauftrag für vier Prototypen. EL 1 und EL 2 wurden nicht fertig gestellt, vorgefertigte Teile wurden aber zum Bau der Pionierlandungsboote 45/I und 45/II verwendet. EL 3 galt als Prototyp für das NL und lag im November/Dezember 1944 in Stettin auf Slip zum Fertigbau. EL 4 befand sich bereits im Oktober 1944 in Stettin, um als Prototyp für das AL umgebaut zu werden, was aber infolge der Kriegsereignisse nicht mehr begonnen wurde.

(Quelle: www.historisches-marinearchiv.de)

Das Modell

Das Modell ist ein Bausatz aus dem 3D Drucker von Renderlion.de. Der Bausatz ist eigentlich ein Standmodell. Zum Umbau als RC-Modell musste daher zunächst einmal der Rumpf "ausgeweidet" werden. Wer von vorne herein das Boot als RC-Boot bauen möchte kann dies bei der Bestellung angeben und erhält einen leeren Rumpf. Das ist auch deshalb sehr empfehlenswert, da der Rumpf ansonsten durch das 3D-Druck-Verfahren zu dünn ist und mehr oder weniger überall Wasser durchsickert. Der Rumpf musste im vorliegenden Fall mit 2K-Epoxidharz umfangreich abgedichtet werden und ist immer noch nicht komplett dicht.

Das 3D-Druck Verfahren ermöglicht Modelle, die ansonsten außer für absolute Enthusiasten kaum umsetzbar wären. Ein Einheitslandungsboot ist zum Beispiel als klassisches Modell am Markt einfach nicht zu bekommen. Durch das 3D-Druck-Verfahren ist außerdem buchstäblich jeder Maßstab zu bezahlbaren Preisen möglich. Beim vorliegenden Maßstab stößt der 3D-Druck allerdings auch an seine Grenzen. Dass alle ebenen Flächen grundsätzlich nachgespachtelt werden müssen ist für den erfahrenen Modellbauer bestend bekannt und noch zu verschmerzen. Bei bestimmten Kleinteilen ist die Technik für einen voll befriedigende Umsetzung zumindest in diesem kleinen Maßstab (1:100) aber noch nicht soweit. So habe ich zum Beispiel die Flakgeschütze durch Bausätze von Lassek und den Mast durch Messingrohre ersetzt. Ansonsten sind fast alle Teile bewusst "out of the box" gebaut, auch zum Beispiel Ruder, Kräne, Reling etc.

Die RC-Einbauten beschränken sich auf den Antrieb mit zwei Schrauben (hier kommt man um Messingschrauben leider nicht herum) und Anlenkung der drei Ruder. Für die Motoren sind die eingebauten Speed 285 Minimotoren, vor Jahren auf Lager gelegt, eine ideale Besetzung. Selbst mit drei angelenkten Rudern fährt sich das Boot (vorbildgerecht) wie ein Schuhkarton auf Glatteis. Mit Graupner Empfänger und einer Batteriebox Mittschiffs kommt das Landungsboot mit Beladung fast exakt auf Wasserlinie. Die Beladung, bei der Jungfernfahrt noch nicht an Bord, handelt es sich um Bausätze von Plastic Soldier Company.

Das Boot ist auf einem dekorativen Holzsockel ausgestellt. Streng genommen sind es gleich drei Holzsockel, alle drei von Hewa-Holzsockel. Auf den passend bestellten Displaysockel habe ich zwei quadratische schwarz lackierte Holzsockel als Ständer aufgeklebt. Auf diese quadratischen Stützen habe ich Schaubstoff aus einer Blisterverpackung zugeschnitten und aufgeklebt. Darauf ruht das Boot wie auf einem Bootsständer. Ein herkömmlicher Bootständer wäre wegen der Kastenform des Rumpfs weder praktisch noch dekorativ gewesen.

Den Nachschubleichter habe ich in der Farbgebung lackiert, wie sie zum Planungszeitraum 1943 ausgeführt worden wäre. Die Boote waren zu Kriegsende noch nicht fertiggestellt und kamen nie zum Einsatz. Wären sie aber zum Einsatz gekommen, wäre die Lackierung 1945 nicht in Mittelgrau 51 ausgeführt worden (wie lackiert) sondern in dem späten Dunkelgrau/Silbergrau. Das würde auf dem Wasser aus einiger Entfernung sogar noch besser aussehen, im Regal wirkt das Mittelgrau 51 aber gefälliger.